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(Quelle: Hauptstaatsarchiv Hann.74 Oldenstadt 1450)

Die frühere Amtsvogtei Amelinghausen

Ein Verwaltungsgebiet mit einem Amtsvogt und drei Untervögten

Die Amtsvogtei Amelinghausen ist ein altes herzogliches Verwaltungsgebiet aus der Zeit der Billunger im 10. Jahrhundert. Die Bischöfe von Verden hatten  große Gebiete der ehemaligen sächsischen Gohe Amelinghausen und Salzhausen für sich beansprucht, um ihr Stift  in Verden mit umfangreichen Einkünften auszustatten. Als Bischof Amelung – der angebliche Namensgeber  von Amelinghausen – im Jahr 962 n. Chr. starb und seine Besitzungen um Amelinghausen herum dem Stift vermacht hatte, war der Widerstand  in der Familie der Billunger groß. Hermann Billung, der ältere Bruder von Amelung, hatte die  Schenkung nicht anerkannt. Er war ein enger Gefolgsmann von Kaiser Otto I. und unterstützte dessen Bestrebungen, die Modalitäten bei der Vergabe von Landbesitz an den Adel selbst zu bestimmen. Es sollte eine klare Trennung zwischen der geistlichen und weltlichen Macht geben.

In der Folgezeit besaß das Verdener Stift  nur noch wenige  Rechte: es durfte  lediglich den Zehnten (die Abgabe des zehnten Teils der Ernte) einziehen. Die Lehnsherrschaft bei uns besaßen Adelige, das Stift Michaelis einige Kirchen und die  Lüneburger Burgmannengeschlechter. Zur Sicherung seiner Machtpostion beanspruchte  der Herzog  weiterhin die Oberlehnsherrschaft über alle Ländereien. Ohne seine Genehmigung durfte der Adel  keine Ritterburg errichten. In unserer Vogtei gab es  auch  nur die Ritterburg der Herren von Zahrenhusen in Bockum.  
Die historischen Quellen schweigen sich darüber aus, wann das erste Amtsvogteigebäude gebaut worden ist. Es befindet sich im Staatsarchiv Hannover ein amtliches Schreiben aus dem Jahre 1647, aus dem hervorgeht, in welchem schlechten baulichen Zustand sich das 1594 erbaute Amtsgebäude befand. In einem Bittschreiben an den Herzog wurden die einzelnen erforderlichen Reparaturen genau aufgelistet und mit dem Wunsch verbunden, die benötigten Gelder für die Beseitigung der großen baulichen Mängel zu bewilligen. Da es in unserer  Vogtei wenig Hartholz gab, kam dieses aus Garlstorf. Wenn man davon ausgeht, dass ein mit Stroh gedecktes Fachwerkhaus ca. 200  bis 300 Jahre seine Funktion als Wohnhaus erfüllt,  dann kann nach der vorliegenden Quellenlage mit Recht behauptet werden, dass es um 1400 in Amelinghausen schon ein Verwaltungsgebäude mit einem Amtsvogt gegeben hat.
Auf dem Gelände des Vogteihofes – auf der nördlichen Seite unserer Hippolit-Kirche und unmittelbar am Anfang des heutigen Vogteiweges -  befanden sich um 1600, neben dem großen Amtsvogteigebäude, ein Nebengebäude, ein Backhaus und ein Bergfried (Wehrturm), der dicht neben der Kirche stand und wegen seiner Baufälligkeit nicht wieder aufgebaut werden sollte. 
Das Hauptgebäude war ein herrschaftliches zweistöckiges Gebäude mit beheizbaren Schlafgemächern für den Herzog, wenn er „auf Reisen war“, oder der Vogtei einen Besuch abstattete. 1750 war der Zustand des Hauses so schlecht, dass sich Reparaturen an dem fast 200 Jahre alten Haus nicht mehr lohnten und ein Neubau erforderlich wurde.
Das 1750 erbaute Vogteigebäude (siehe Zeichnung) war für die damalige Zeit sehr modern;  es besaß drei Schornsteine, sodass  fast alle Zimmer – bis einige „Schlafkammern“ – mit einem Kachelofen beheizt werden konnten. Das war für die Dorfbewohner unvorstellbar, die noch in ihren luftigen Rauchhäusern wohnten!  Leider sind am 7. Juni 1818, als das halbe Dorf Amelinghausen ein Opfer der Flammen wurde, alle Gebäude auf dem Vogteihof abgebrannt, obwohl sie im Gegensatz zu den Bauernhäusern schon mit Dachpfannen eingedeckt waren. Der mit Schindeln gedeckte runde Felsenturm der Kirche hatte am späten Nachmittag doch noch Feuer gefangen und konnte auf das Dach der Kirche übergreifen, da es zwischen Kirchturm und Kirchdachstuhl keine Brandmauer gab.
Der Abstand zu den Gebäuden auf dem Amtsvogteihof war so gering, dass  dort alle Gebäude Feuer fingen und völlig zerstört wurden.
Rechts in der Eingangsdiele befindet sich eine Wendeltreppe zum Obergeschoss: links sind  die Schlafräume und rechts  ist der Strohboden. Zur Versorgung des Amtsvogtes und seiner Familie mit den Bediensteten gehörte ein 1500 m2 großer Garten  (die heutigen Grundstücke im  Vogteiweg) und der  sogenannte Amtshof mit der großen Zehntscheune, heute im Besitze der Familie Meyer.
Die Amtsvogtei Amelinghausen wurde 1852 aufgelöst und von der Vogtei Salzhausen übernommen. Die abgebrannten Gebäude sind nach 1818 nicht wieder aufgebaut worden.
Nach dem Ende des Königreichs Hannover 1866 haben die Preußen alle hannoverschen Vogteien aufgelöst und preußische Verwaltungsstrukturen eingeführt.